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Mit Kindergartenkindern über Krieg sprechen

In Europa herrscht Krieg – das beängstigt nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder. Wie gelingt es Eltern, die Gefühle der Kleinsten zu begleiten? Dazu gibt die pädagogische Leitung des kinderzimmers Christina Baal wichtige Tipps.

Kinder nie mit Angst allein lassen.

Die Bilder im Fernseher sind verstörend. Bomben, Panzer – weinende Kinder auf der Flucht. In Europa herrscht wieder Krieg und das ist unfassbar und sehr belastend. Für Eltern stellt sich die Frage: Wie kann ich das Weltgeschehen meinem Kind altersgerecht erklären?

Altersgerecht: Gerade jüngere Kinder bekommen eventuell sehr wenig von der Krise mit. Es kann sein, dass sie Bilder im Fernsehen sehen, im Kindergarten oder durch Gespräche der Eltern Dinge erfahren, die sie nicht einordnen können. Wenn Kinder Fragen haben, sollten Erwachsene ruhig und sachlich bleiben. „Wenn das Kind aktiv auf die Eltern zukommt und etwas wissen möchte, dann braucht es passende Antworten“, so Christina Baal. Fragt das Kind nach und ist beunruhigt, sind ehrliche Antworten wichtig. Kurz und sachlich, ohne grausame Details.

Kinder im Krippenalter bekommen noch wenig von der Situation mit. „Kinder unter drei Jahren schauen nicht bewusst Nachrichten. Läuft der Fernseher nebenbei, sehen sie aber Bilder, die sie nicht verstehen.“ Daher besser ohne das Kind schauen. Die Kinder spüren vielleicht, dass sich Erwachsene Sorgen machen, oft ahmen sie ein Verhalten auch nach. Haben Erwachsene selbst Angst, brauchen sie Unterstützung (Hilfeadressen unten).

Kindergartenkinder fangen langsam an, ihre Umwelt bewusst wahrzunehmen – auch Berichte im Fernseher, Bilder in Zeitschriften oder auf dem Tablet. Ein Bild eines gleichaltrigen Kindes, das weinend neben einem verletzten Menschen steht – das kann sehr verstören. „Wichtig ist, dass die Eltern ihre Kinder hier begleiten. Kindergartenkinder können Nachrichten noch nicht verstehen und auch vermeintlich harmlose Bilder können Kinder verstören, “ erklärt Christina Baal. Wenn Kinder hier keine altersgerechte Erklärung bekommen, reimen sie sich eventuell selbst etwas zusammen und sind mit ihrer Angst allein. Wirkt ein Kind traurig oder zeigt ein verändertes Verhalten, helfen Fragen. „Was macht dich traurig? Sind es Bilder, Informationen? Hast du etwas gehört?“ So lässt sich herausfinden, was das Kind zu dem Thema weiß, damit sachlich und mit kindgerechten Antworten auf es eingegangen wird.

Vorschulkinder entdecken die Welt. Einige sind sehr wissbegierig und stellen viele Fragen. Sie hören aus den Gesprächen der Großen Worte wie Krieg, Bomben – und sehen schon bewusster Fernsehberichte. Meist möchten sie mehr erfahren, aber nicht jedes Kind ist interessiert. „Wenn das Kind das Thema nicht selbst anspricht, dann würde ich es nicht vertiefen“, sagt Christina Baal. „Die Vorschulkinder erfahren oft durch den Kindergarten oder durch das Mithören von Gespräche Dinge, die sie nicht einordnen können. Um mit ihnen ins Gespräch zu kommen, helfen Bücher oder Kindernachrichten.“

 

Wie spreche ich mit meinem Kind über Krieg?

Jede Familie, jedes Kind geht anders mit Krisen um. Manche Menschen möchten viel wissen, andere lieber nicht. Stellt das Kind Fragen oder wirkt verängstigt, sind Gespräche wichtig.

Ruhigen Rahmen schaffen: Für ein solches Gespräch ist Konzentration hilfreich. Also nicht nebenbei auf das Handy gucken oder beim Essen mit dem Kind reden. Manchmal ist ein Spaziergang genau richtig oder es sich unter einer Wolldecke auf dem Sofa gemütlich zu machen.

Zuhören: Was möchte das Kind wissen? Welche Informationen hat es? Wenn ein Kind nicht weiter über das Thema sprechen möchte – auch das muss akzeptiert werden.

Bildlich darstellen: Mit Vorschulkindern gemeinsam eine Landkarte angucken. Wie weit weg ist die Ukraine? Waren wir schon mal in einem anderen Land im Urlaub – wie weit ist das weg?  Bilderbücher (Tipps unten) helfen ebenfalls sehr gut als Gesprächseinstieg.

Einfach erklären: Krieg ist nicht leicht zu erklären, aber einfache Worte und Beispiele helfen Kindern beim Verstehen. Hilfreich ist es, dabei an die Lebenswelt des Kindes anzuknüpfen: „Wenn zwei Kinder sich streiten, wird der Streit manchmal schlimmer und sie hauen sich. Und so ist das auch bei Ländern, die können sich auch streiten.“ Die aktuelle Lage kann so beschrieben werden: „Ein Land will etwas haben, das anderen gehört und versucht es jetzt zu nehmen. Die Menschen, die im anderen Land wohnen, möchten das aber nicht hergeben und darum kämpfen sie.“

Sicherheit geben: Wenn Kinder sagen, dass ihnen etwas unheimlich ist, dürfen Eltern zugeben, dass es ihnen genauso geht. „Kinder spüren die Gefühle der Erwachsenen und merken so, dass sie ihrem Gespür trauen können.“ Fragt das Kind Fragen wie: „Wann ist der Krieg vorbei?“ ehrlich sein und auch sagen, dass man selbst keine Antwort hat. Äußert das Kind Angst, ist es wichtig, klar und bestärkend zu reagieren. Angst muss ernst genommen werden – und Eltern dem Kind Sicherheit geben. Gemeinsame Aktivitäten, kuscheln oder etwas gemeinsam backen oder basteln können Geborgenheit – und auch Ablenkung – geben.

Was können wir tun? Man kann sich mit dem Kind gemeinsam informieren, auf kindgerechten Seiten oder mit Büchern. Manchen Kindern hilft es ein Bild zu malen, um Eindrücke zu verarbeiten. Als Familie kann gemeinsam etwas für die Menschen in der Ukraine oder für Flüchtende gesammelt werden.

Hilfe suchen: Es kann sein, dass die Situation zu sehr belastet. Wer Familie oder Freunde in der betroffenen Region hat, braucht sicher besondere Unterstützung. Informiert Eure Standortleitung im kinderzimmer, wenn Ihr oder Eure Kinder Hilfe braucht. Wer – auch aus anderen Gründen – Angst oder Panik hat, bekommt bei der Telefonseelsorge oder bei der Nummer gegen Kummer (unten) Unterstützung.


Medientipps

Webseiten mit Erklärvideos (ab 5 Jahren):
https://www.wdrmaus.de/extras/mausthemen/ukraine/index.php5

Für ältere Geschwister (und sehr Wissbegierige ab 6 Jahren): https://www.zdf.de/kinder/logo/konflikt-ostukraine-100.html

Bilderbücher:

Weitere Bilderbücher:

Maclear, Kyo:  Wir sind hier: Eine Geschichte von Flucht und Hoffnung. Zuckersüß Verlag 2021 (ab 3 Jahren)

Sleger, Yoeri: Das Krokodil sucht eine neue Heimat. Carl-Auer Verlag 2021 (ab 3 Jahren)

Pintadera, Fran: Irgendein Berg.  Peter Hammer Verlag 2018 (ab 4 Jahren)

Spilsbury, Louise: Weltkugel 3: Wie ist es, wenn es Krieg gibt? Alles über Konflikte. Gabriel Verlag 2019 (ab 5 Jahren)

Roberts, Ceri:  Weltkugel 2: Wie ist es, wenn man kein Zuhause hat?: Alles über Flucht und Migration. Gabriel Verlag 2018 (ab 5 Jahren)

Ratgeber für Eltern:
Doris Heueck-Mauß: So rede ich richtig mit meinem Kind: Wie Worte wirken. Konflikte fair lösen. Stressfreier erziehen. Humboldt Verlag, 2014.

 

Unterstützung für Erwachsene

Du hast selbst Verwandte in der Ukraine oder die Situation belastet Dich – oder Dein Kind besonders?

Rund um die Uhr ist die Telefonseelsorge unter 0800- 111 0 111 oder unter 080-111 0 2222 kostenlos und anonym erreichbar.

Akute Hilfe bei Angst oder Panikattacken bietet auch die Nummer gegen Kummer. Sie wendet sich speziell an Kinder und Eltern: 0800 – 111 0 550. Telefonische Beratung, montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr, dienstags und donnerstags bis 19 Uhr. Anonym und kostenlos. www.nummergegenkummer.de/