Gewaltfreie Kommunikation (GFK) – Aufbau einer Kultur der Wertschätzung und Empathie
4. Dezember 2025
Circa 3 Minuten Lesezeit
Was sind die Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation? Das Modell der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg
Die Gewaltfreie Kommunikation (GFK), entwickelt von dem Psychologen Marshall B. Rosenberg, ist ein tiefgreifendes Kommunikations- und Konfliktlösungsmodell. Sie wird in der Kita als pädagogisches Werkzeug genutzt, um eine wertschätzende, empathische und verbindende Sprache im Umgang mit Kindern, Eltern und im Team zu etablieren. Das Fundament der GFK ist die Überzeugung, dass alle menschlichen Handlungen (auch problematisches Verhalten) Versuche sind, universelle menschliche Bedürfnisse zu erfüllen. Gewalt entsteht immer dann, wenn unsere Bedürfnisse unerfüllt bleiben und wir dies in einer Form ausdrücken, die Vorwürfe oder Bewertungen enthält.
Ziel der GFK ist es, die Kommunikation so zu verändern, dass sie auf vier klar definierten Schritten basiert, um Missverständnisse zu reduzieren und eine einfühlsame Verbindung zum Gegenüber herzustellen, die auf gegenseitigem Verständnis der Bedürfnisse beruht.
Die vier Schlüssel zur GFK in der Kita
Die vier Schritte bilden den Kern der GFK und werden von der Fachkraft sowohl zur Selbstklärung als auch zur Kommunikation genutzt:
Beobachtung (Die wertfreie Wahrnehmung): Im ersten Schritt geht es darum, eine Situation oder ein Verhalten konkret und objektiv zu beschreiben, ohne Bewertung, Interpretation oder Verallgemeinerung. Statt zu sagen: „Du bist immer so unordentlich!“, heißt es in der GFK: „Ich sehe, dass auf dem Teppich drei Bauklötze liegen.“ Dies reduziert die Verteidigungshaltung des Gegenübers und schafft eine gemeinsame Realitätsbasis.
Gefühl (Die eigene Reaktion benennen): Die Fachkraft benennt im zweiten Schritt ihr eigenes, echtes Gefühl, das durch die Beobachtung ausgelöst wird. Wichtig ist, echte Gefühle (z.B. Freude, Angst, Sorge, Frustration) von Pseudo-Gefühlen (z.B. „Ich fühle mich manipuliert/bewertet“) zu unterscheiden. Zum Beispiel: „Ich bin besorgt (Gefühl), wenn die Bauklötze auf dem Boden liegen (Beobachtung).“
Bedürfnis (Die universelle Ursache erkennen): Dies ist der Kern der GFK. Das Gefühl ist der Hinweis auf ein erfülltes oder unerfülltes Bedürfnis. Die Fachkraft identifiziert, welches universelle Bedürfnis (z.B. Sicherheit, Ordnung, Ruhe, Anerkennung, Autonomie) hinter ihrem eigenen Gefühl oder dem Verhalten des Kindes steht. Im Beispiel: „Weil mir Ordnung und Sicherheit (Bedürfnisse) in unserem Gruppenraum wichtig sind.“
Bitte (Die konkrete Handlung anfordern): Die Bitte ist der vierte und abschließende Schritt. Es handelt sich um eine konkrete, positive, erfüllbare und gegenwartsbezogene Handlungsaufforderung, die keine Forderung ist (daher muss ein Nein akzeptabel sein). Die Fachkraft fragt: „Wärst du bereit, die Bauklötze jetzt in die Kiste zu räumen, damit niemand stolpert?“
Wie fördert GFK die emotionale Kompetenz der Kinder? Die GFK als pädagogische Haltung
Im Umgang mit Kindern dient die GFK dazu, Empathie und emotionale Kompetenz zu fördern. Die Fachkraft übersetzt das aggressive oder weinende Verhalten des Kindes in ein unerfülltes Bedürfnis („Du bist wütend (Gefühl), weil du den Ball nicht bekommen hast? Du brauchst gerade Teilhabe und Anerkennung (Bedürfnis)?“) und hilft dem Kind somit, seine Gefühle und die dahinterliegenden Bedürfnisse zu verstehen und zukünftig konstruktiver auszudrücken. Durch diese Haltung lernen die Kinder, Konflikte lösungsorientiert anzugehen und die Bedürfnisse anderer zu berücksichtigen. GFK ist somit ein wichtiger Beitrag zur demokratischen Bildung und zur Entwicklung sozialer Verantwortung.
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