Liest Du mir was vor? - Kita kinderzimmer Hamburg

Liest Du mir was vor?

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Text: Catharina König | Fotos: Bernd Westphal (Still), Sonja Tobias (Porträt)

Ächz, Mama geht die Spucke aus. Seit bald einer halben Stunde liest sie ihrer kleinen Tochter Lotti ihre Lieblingsgeschichten aus dem großen Bilderbuch vor. Von der Henne Helma, die die Gockel reinlegt. Dem Schweinemädchen Bella, das das erste Mal allein einkaufen geht, und dem kleinen Drachen, dem es einfach nicht gelingen will, ein Menschenkind zu erschrecken. Lotti ist dreieinhalb und kann – wie so viele Kinder – vom Vorlesen einfach nicht genug bekommen. Immer wieder fordert sie: „Mama, bitte noch eine Geschichte!“ Mit ihrer Begeisterung fürs Vorlesen ist Lotti nicht allein: 91 Prozent der Fünf- bis Zehnjährigen finden das Vorlesen (fast) immer toll. Eine beeindruckende Zahl. Sie ist das Ergebnis einer Befragung der Vorlesestudie 2015 von Stiftung Lesen, Deutsche Bahn Stiftung und der „Zeit“.

Eine Zahl, die nur einen Schluss zulässt: vorlesen, was die Stimmbänder hergeben. Und wenn man denkt, dass es heute doch schon sooo viele Bücher waren, dann sollte man, spätestens beim Zubettgehen, noch eins vorlesen. Viele Eltern jedoch fangen damit erst an, wenn die Kinder schon selbst sprechen können. So lange sollte man gar nicht warten, erklärt Melanie Würtz von der Stiftung Lesen: „Am besten ist es, möglichst früh mit dem Vorlesen zu beginnen – wobei Vorlesen hier als weiter Begriff gemeint ist und auch das gemeinsame, spielerische Betrachten von Bilderbüchern einschließt. Damit kann durchaus schon in den ersten Lebensmonaten des Kindes begonnen werden; auch Babys und Kleinkinder profitieren von der Nähe und der Zeit, die durch die Vorlesemomente gemeinsam verbracht wird.“ Auch eine groß angelegte amerikanische Studie kommt zu diesem Schluss: „Bereits in der frühesten Kindheit anzufangen, den ganz Kleinen vorzulesen, hat einen anhaltenden Effekt auf die Sprache und auf die frühe Lese- und Schreibkompetenz“, erläutert Carolyn Cates von der New York University School of Medicine. „Was sie lernen, wenn man ihnen als Kleinkind vorliest, hat vier Jahre später immer noch eine Wirkung, wenn sie kurz davorstehen, in die Schule zu kommen.“ Dazu gehört übrigens auch das gute alte Wimmelbuch. Es funktioniert wie ein Vokabelbuch, und man kann es in jeder Sprache benutzen.

Legt Babys erstes Bilderbuch den Grundstein fürs Lesen?

Eine Zahl, die nur einen Schluss zulässt: vorlesen, was die Stimmbänder hergeben. Und wenn man denkt, dass es heute doch schon sooo viele Bücher waren, dann sollte man, spätestens beim Zubettgehen, noch eins vorlesen. Viele Eltern jedoch fangen damit erst an, wenn die Kinder schon selbst sprechen können. So lange sollte man gar nicht warten, erklärt Melanie Würtz von der Stiftung Lesen: „Am besten ist es, möglichst früh mit dem Vorlesen zu beginnen – wobei Vorlesen hier als weiter Begriff gemeint ist und auch das gemeinsame, spielerische Betrachten von Bilderbüchern einschließt. Damit kann durchaus schon in den ersten Lebensmonaten des Kindes begonnen werden; auch Babys und Kleinkinder profitieren von der Nähe und der Zeit, die durch die Vorlesemomente gemeinsam verbracht wird.“ Auch eine groß angelegte amerikanische Studie kommt zu diesem Schluss: „Bereits in der frühesten Kindheit anzufangen, den ganz Kleinen vorzulesen, hat einen anhaltenden Effekt auf die Sprache und auf die frühe Lese- und Schreibkompetenz“, erläutert Carolyn Cates von der New York University School of Medicine. „Was sie lernen, wenn man ihnen als Kleinkind vorliest, hat vier Jahre später immer noch eine Wirkung, wenn sie kurz davorstehen, in die Schule zu kommen.“ Dazu gehört übrigens auch das gute alte Wimmelbuch. Es funktioniert wie ein Vokabelbuch, und man kann es in jeder Sprache benutzen.

Doch abgesehen von gemeinsamer Zeit in gemütlicher Atmosphäre und Kuscheln – was macht das Vorlesen eigentlich mit Kindern? Verschiedene Studien belegen: „Lesen – also die Fähigkeit, Schrift zu erfassen und Texte zu verstehen – gehört zu den wichtigsten Kompetenzen unserer Gesellschaft. Erfolg im Beruf, persönliche Weiterentwicklung und gesellschaftliche Teilhabe setzen alle eine gute Lesefähigkeit voraus. Das Vorlesen in der Kindheit ist eng verknüpft mit Lesefreude und Lesekompetenz im Erwachsenenalter. So sind schon die Schulnoten von Kindern, denen häufig vorgelesen wurde, besser als die von Kindern, denen selten oder gar nicht vorgelesen worden ist“, fasst Melanie Würtz die Erkenntnisse der vergangenen Jahre zusammen.

Kinder, denen vorgelesen wird, werden musikalischer.

Legt also Babys erstes Bilderbuch den Grundstein für eine spätere Lesebegeisterung? Durchaus möglich. Doch vor allem im weiteren Verlauf helfen Geschichten den Kindern dabei, den Alltag besser zu verstehen. Anhand von Erzählungen können Konflikte veranschaulicht und erklärt werden. „Da Geschichten in der Regel eine Botschaft vermitteln, steigert Vorlesen außerdem die soziale Kompetenz der Kinder. Sie lernen durch die Geschichten, wie man Konflikte lösen oder mit anderen Problemen umgehen kann. Auch die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, ist bei Kindern, denen häufig vorgelesen wird, deutlich größer“, erklärt Melanie Würtz.

Ein simples Beispiel dafür bilden Bücher, die zwei- bis dreijährigen Kindern beim Trockenwerden helfen sollen. Meist geht es um eine Hauptfigur – Mensch oder Tier –, die lernt, auf die Toilette zu gehen. Ab und an aber passiert auch noch mal ein Malheur, und der Schlafanzug wird nachts nass. Schlimm? Gar nicht. Das vermitteln die Bücher. Und nicht nur die Kinder lernen anhand der Geschichten, dass das ganz normal ist und nichts, wofür sie sich schämen müssten, sondern auch Eltern gibt es ein Stück Gelassenheit. Anschließend – und auch immer wieder zwischendurch – kann man das Gelesene mit dem Kind besprechen, empfiehlt Würtz: „Vorlesemomente bieten Anlass zu Gesprächen über den Alltag oder Ereignisse, die das Kind beschäftigen. Das Vorlesen bietet also einen geschützten Raum für alle Fragen des Kindes. Die besondere Atmosphäre hilft den Kindern dabei, sich zu öffnen und eigene Gedanken zu entwickeln und mitzuteilen.“

Und genau das lernen Kinder durch das Vorlesen auch: Gedanken anhand von Sprache zu formulieren. „Das Sprachbewusstsein wird durch das Vorlesen auf spielerische Weise gefördert: Kinder entwickeln ein Gefühl für die Struktur der Sprache“, sagt Melanie Würtz. Wer auf einen umfangreichen Wortschatz zurückgreifen kann und vielleicht sogar zu abstrahieren und zu vergleichen versteht, kann sich gegenüber Eltern und Erziehern verständlicher machen. Aber auch Kindern, die schon gut sprechen und die dabei sind, lesen zu lernen, sollte weiter vorgelesen werden. Die Stiftung Lesen empfiehlt das sogar bis zum Ende der Grundschulzeit: „Es ist gerade für Leseanfänger schön, gemeinsam mit einem Elternteil oder einer Bezugsperson zu lesen und die schon etwas komplexer werdenden Texte zusammen zu entschlüsseln und darüber zu sprechen“, erklärt Würtz. Wichtig dabei ist, dem Alter entsprechende Geschichten auszuwählen, um Kinder weder zu langweilen noch zu überfordern – denn das kann Lesefrust auslösen. Als Faustregel gilt, dass die Hauptperson im Buch etwa so alt ist wie das Kind, dem vorgelesen wird.

Lotti hat Glück: Zum Einschlafen gibt es noch eine kurze Geschichte extra. Kann ja nicht schaden, denkt Lottis Mama. Stimmt, denn wer Sorge haben sollte, durch das viele Vorlesen könne das Kind ein kleiner Nerd oder Stubenhocker werden, liegt falsch. Im Gegenteil zeigen Studien, dass Kinder, denen viel vorgelesen wird, sogar sportlicher und musikalischer sind. Wenn das Kind also beim nächsten Einkauf an der Box mit den Minibüchern stehen bleibt, anfängt zu blättern und sich ein neues Buch wünscht, darf diesem Wunsch sofort und ohne Zögern entsprochen werden.

Die kizi-Bibliothek: Chancengleichheit schreiben wir groß. Denn wir möchten allen Kindern und ihren Eltern Zugang zum Lesen und zu kultureller Bildung ermöglichen. Deshalb hat jedes kinderzimmer Zugang zu einer Bibliothek und einem Bücherwagen, mit dem jedes Kind ein Buch für zu Hause ausleihen darf. Wir ermuntern so die Kinder, sich über Bücher auszutauschen, sich aktiv Zugang zur Kultur zu verschaffen. Das fördert auch ihre Sprachbildung.

Unsere Autorin hat ihre Kindheit und Jugend, neben Reiten und Tanzen, am liebsten lesend verbracht. Sie ist überzeugt: Bücher machen Leute. Wenn sie das 28. Mal ihrer kleinen Tochter „Rosa Räuberprinzessin“ vorliest, muss sie sich das nur immer und immer selbst versichern …